V6-Diesel läuft auf nur 4 Zylindern

Praxisfälle

Injektor, Steuergerät, Kompression: Das ist ein Auszug möglicher Fehlerquellen, wenn ein Dieselmotor nicht auf allen Zylindern läuft. Doch die Ursache im vorliegenden Fall überrascht.

Problem und Fahrzeugdaten

Ein von uns gelöster Fall drehte sich um einen Chrysler 300C 3.0 CDR aus dem Baujahr 2007. Das Fahrzeug hatte den Mercedes-Benz-Motor OM 642 mit 160 kW/218 PS verbaut. Der Motor lief nach dem Start rund, nach ungefähr drei Sekunden allerdings setzten zwei Zylinder aus. Kilometerlaufleistung: 380.000 km.

Analyse

Zunächst lokalisierten wir die betreffenden Zylinder, die nicht mitliefen: Zylinder 4 und 6. Besonders bei Motoren in V-Anordnung ist es ratsam, zur Identifizierung der Zylinderanordnung die Fachliteratur zu Rate zu ziehen. Eine Sichtprüfung etwa der Kabel verlief ohne Beanstandungen. Anschließend lasen wir den Fehlerspeicher aus, der allerdings lediglich einen Eintrag gespeichert hatte: P0206: Zylinder 6 – elektrischer Fehler im Stromkreis. Es machte uns bereits stutzig, dass nicht auch Zylinder 4 als Eintrag vorhanden war. Der Kunde hatte allerdings bereits einen neuen Injektor gekauft und bat darum, diesen einzubauen. Damit, so seine Hoffnung, wäre der Fall schnell erledigt. Doch nach dem Erneuern des Injektors lief der Motor identisch unrund wie vorher. Nun galt es also herauszufinden, wo der Fehler lag.

Prüfschritte

Der Injektor war ein billigst-Neuteil, welches keinen guten Eindruck machte. Am Oberteil des Ventils fehlte bereits ein Stück Kunststoff – daher tauschten wir die Injektoren von einem Zylinder auf den anderen, um zu sehen ob der Fehler wandert. Doch das gleiche Spiel wie zu Beginn: Beim Starten des Motors liefen alle Zylinder mit, nach drei Sekunden setzten die gleichen zwei wieder aus. Im nächsten Schritt überprüften wir die Verkabelung vom Injektor-Stecker zum Steuergerät. Als wir das Steuergerät ausbauten erkannten wir den Fehler.

Am überholten Billig-Injektor ist bereits ein Stück Kunststoff herausgebrochen.

Ursache

Am Steuergerätestecker war sehr viel Fett aufgeschmiert. So dick, dass es sogar an den Seiten herunterlief. Trotz Abdichtung der einzelnen Litzen gelangte das Fett über die Zeit schließlich durch Kapillarwirkung zu den Buchsen. Wir vermuten, dass sich dadurch ein Übergangswiderstand an den Kontakten gebildet hat, der wiederum dafür sorgte, dass sich die Stromversorgungspins am Steuergerät erhitzten (siehe Bild). Dadurch war die Stromversorgung ganz knapp an der Grenze, wodurch das Steuergerät die Injektoren nach dem Motorstart bedienen konnte, nach kurzer Zeit durch Spannungsabfall aber abschaltete.

Lösung

Die teuerste und haltbarste Methode ist sicherlich, einen neuen Kabelbaum sowie ein neues Steuergerät zu verbauen. Da sich der Wagen aber dem Ende seines Lebenszyklus näherte, entschied sich der Kunde zu einer behelfsmäßigen Reparatur. Wir reinigten daher den Kabelbaum und die Kontakte so gut wie möglich, um ein erneutes Einfließen von Fett zu verhindern. Anschließend reinigten wir die Kontakte des Steuergeräts mit Schleifpapier, um Übergangswiderstände zu eliminieren. Nach dem Einbau der instandgesetzten Teile lief der Motor wieder tadellos. Warum am Stecker des Steuergeräts dermaßen viel Fett aufgebracht wurde, ist uns ein Rätsel.

Die Pins sind vermutlich zu heiß geworden, wodurch sich ein Übergangswiderstand gebildet hat (siehe obere zwei Pins). Die unteren vier sind bereits gereinigt.


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